1. Januar: Weltfriedenstag

Weltfrieden – wer von uns wünscht sich das nicht? Und doch ist der Wunsch nach Frieden meistens der Wunsch nach Frieden zwischen Menschen. Dabei wird vernachlässigt, dass gewisse Elemente des Krieges – Anwendung hochentwickelter Technologie, Unterwerfung des Gegners/der Gegnerin, ökonomische Bereicherung – auch unser Verhältnis zu nicht menschlichen Tieren charakterisieren. Es ist zwar verfehlt, von einem Krieg gegen Tiere zu sprechen. Aber es ist auch verfehlt, die Gewalt, die Tiere heute erfahren, nicht mit dem Ziel des Friedens zu verbinden. Kein Frieden im kriegerischen Sinne, sondern ein Frieden im Sinne eines individuellen Zustandes, bei dem einem empfindungsfähigen Lebewesen keine Gewalt zugefügt wird, es um seiner selbst willen geschätzt und es nicht als blosse Ware betrachtet wird.

Dieser Frieden ist noch weit weg. Die Unterwerfung der Tiere in unserer Gesellschaft ist nicht nur total, sondern sie ist das Fundament, auf dem unser Wohlstand beruht. Es gibt kaum einen Bereich, in dem Tiere nicht unterdrückt werden. Die Hauptnutzung von Tieren besteht in ihrer Rolle als Nahrungsmittel. Ihre Körper(teile) werden zu Schnitzeln, Filets, Steaks, Burgern und Klöpfer verarbeitet. Ihre Ausscheidungen essen wir entweder direkt (Eier und Milch) oder verarbeitet (Käse, Raclette, Fondue und Joghurt). Ihre Haut dient in Form von Leder, Pelz und Wolle dazu, uns zu wärmen oder Kleidung chicer aussehen zu lassen.

Nahrung und Kleidung sind nur der auffälligste Ausdruck der Nutzung und Unterwerfung von Tieren. Ihre Unterdrückung findet sich darüberhinaus in Laboren, wo Ratten, Mäuse und Kaninchen für Versuche benutzt werden. Sie findet sich im Wald, wo Rehe, Hirsche und Wildschweine abgeschossen werden. Sie findet sich in der Unterhaltungsbranche, wo Elefanten und Löwen in Zirkussen Kunststücke vollführen und Schimpansen, Löwen und Giraffen in Zoos schon den Kleinsten vermitteln, dass Tiere weniger wert sind. Sie findet sich auch bei uns zu Hause, wo Hunde in Zwingern und Wellensittiche in viel zu kleinen Käfigen gehalten werden.

Man rechtfertigt all das mit “Notwendigkeit”. Man müsse Fleisch essen, um überleben zu können. Man müsse Tierversuche durchführen, um Menschenleben zu retten. Man müsse Tiere abschiessen, um ihren Bestand zu regulieren. Doch es ist nichts (mehr) notwendig an dem, was Tieren heute widerfährt.

Die Nutzung von Tieren ist vor allen Dingen eine gelebte Praxis, die keiner Rechtfertigung mehr Bedarf. Das heisst: Wir nutzen Tiere, weil wir es können. Von klein auf werden wir daran gewöhnt, Tiere zu essen und zu nutzen. Erst später erfolgt eine Rechtfertigung durch Verweise auf die angebliche Notwendigkeit, Fleisch essen zu müssen, auf die vermeintliche Natürlichkeit der Tiernutzung oder auf deren Normalität. All diese Rechtfertigungen lassen sich natürlich bequem tätigen in einer Welt, in der die Tötung der Tiere nicht sichtbar ist und von anderen erledigt wird.

Leo Tolstoi wird die Aussage zugeschrieben: “Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben”. In Zeiten von Trump, Putin und Erdogan und eines erstarkenden Weltmachtstrebens, Nationalismus und Patriotismus ist diese Aussage richtiger denn je. Über 60 Milliarden Tiere werden jährlich geschlachtet – “nur”, um sie zu essen. Wer im Angesicht dieser Zahlen und der totalen Unterdrückung der Tiere in den meisten Ländern dieser Welt davon spricht, dass man sich um Wichtigeres kümmern oder erst mal Menschen befreien sollte, ist nicht nur zynisch, sondern verkennt den Zusammenhang der Gewalt gegen Menschen und der Gewalt gegen Tiere.

Denn nicht nur Milliarden Tiere leiden und sterben für unsere Lust an tierlichen Produkten – sondern Millionen Menschen müssen unter widrigsten Bedingungen in Schlachthäusern “arbeiten”, Millionen Menschen verlieren für Soja als Futtermittel ihre Ländereien, und der Absatz von Schlachtabfällen zerstört lokale Märkte in Westafrika. Durch die Entstehung multiresistenter Keime, die Forcierung des Klimawandels und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten lassen wir nicht nur Milliarden Tiere und hunderte Millionen Menschen leiden, sondern zerstören uns selbst systematisch. Es wird keinen Frieden geben für Menschen, solange es keinen Frieden für Tiere gibt.1

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