12. Februar: Darwin-Tag.

Darwin hat uns gelehrt, dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern eine Art unter vielen ist. Menschen (homo sapiens) und andere Tiere haben eine gemeinsame Stammesgeschichte. Die Trennung zwischen Mensch und Tier ist das Ergebnis religiösen Denkens, das biologisch nicht haltbar ist

Sigmund Freud sah drei Kränkungen des Menschen:

  1. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums – erkannt durch Kopernikus.
  2. Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus, sondern beeinflusst durch sein Unterbewusstsein – erkannt durch Freud selbst.
  3. Und der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung – erkannt durch Charles Darwin.

 

Dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist – was in der Biologie konsens ist – wird täglich millionenfach in den Schlachthäusern dieser Welt und den Köpfen der Menschen ignoriert. Da wird die Spitze der (angeblichen) Nahrungskette beschworen und sich gegenseitig versichert, dass nur der Mensch denken/sprechen/arbeiten könne oder Kultur habe. Und dieses Kriterium ist dann ausreichend, um Millionen Tiere täglich in den Tod zu schicken. Mal davon abgesehen, dass aus einem Unterschied zwischen Menschen und Tieren nicht folgen würde, dass Tiere nach Belieben gehalten und getötet werden dürfen, sollte man nicht auf vermeintliche Unterschiede schauen, sondern auf Gemeinsamkeiten.

Darwin wusste das: “Tiere sind unsere Mitbrüder in Schmerz, Krankheit, Tod, Leiden und Hunger. Sie können teilhaben, denn aufgrund unserer Abstammung von einem gemeinsamen Urahn sind wir alle miteinander verbunden”. Und was Darwin nur andeuten konnte, ist bewiesen: Weder die Arbeit, noch die Sprache, das Denken oder die Kultur kommt nur den Menschen zu. Es gibt kein Kriterium, das Menschen klar von Tieren trennt. Biologisch sind Menschen Trockennasenaffen. Und selbst wenn es dieses Kriterium geben würde, würde das nicht bedeuten, dass es ethisch richtig ist, Tiere zu töten, weil sie gut schmecken. Denn aus dem Sein folgt kein Sollen.

Der Versuch, Menschen klar von Tieren zu trennen, ist in seinem Kern religiös. Denn die herrschenden Religionen haben immer versucht, eine Sonderstellung des Menschen zu begründen. Die Religionen freilich taten dies, um sich ihrer selbst zu versichern. Heute wird der Unterschied zwischen Menschen und Tieren beschworen, um die milliardenfache Tötung von Schweinen, Rindern, Hühnern, Ziegen, Lämmern, Fischen usw. zu rechtfertigen. Aber auch, um generell den Herrschaftsanspruch von Menschen über Tiere zu zementieren. Sei es für Tierversuche, die Jagd, die Kleidungsindustrie oder Zirkusse und Zoos.

Gerade Basel sollte also nicht mit Stolz auf den ortsansässigen Zoo (und das neue Ozeanium) schauen, sondern mit Beschämen, dass so viele empfindungsfähige Lebewesen eingesperrt werden. In Zoos lernen Menschen auch nicht die Natur oder fremde Arten kennen, sondern sie lernen, dass es okay ist, Tiere einzusperren, um sie begaffen zu können. Übrigens eine Praxis, die auch mit Menschen gemacht wurde im Rahmen sogenannter “Völkerschauen” (und das auch in Basel).

Es besteht also eine gewisse Ironie darin, dass Veganer*innen vorgeworfen wird, eine “Religion” zu haben, während doch genau diese Trennung zwischen Menschen und Tieren immer einen religiösen Beigeschmack hat. Darwin wusste das. So, wie es auch heutige Biolog*innen wissen, die seine wissenschaftlichen Entdeckungen weiterführen wollen:
Wenn wir alle Tiere in Betracht ziehen, die jemals gelebt haben, und nicht nur die rezenten Tiere, werden Wörter wie Mensch und Vogel an ihren Grenzen geradeso verschwommen und unklar wie die Wörter gross und dick. […] Nicht nur die zoologische Klassifikation wird durch die bequeme Tatsache, dass die meisten Zwischenformen heutzutage ausgestorben sind, vor unangenehmer Zweideutigkeit gerettet. Das gleiche gilt auch für Ethik und Recht der Menschen. Unsere rechtlichen und moralischen Systeme sind zutiefst artgebunden”(Richard Dawkins).


Was wir von Darwin lernen können, ist, dass Arten nicht einfach gegeben sind, sondern entstehen und vergehen, und dass auch “der” Mensch kein biologischer Fakt ist. Und was noch viel wichtiger ist: Darwin zeigt uns, dass Schweine, Rinder, Hühner, Menschen, Biber und Pferde eine gemeinsame Entwicklungsgeschichte haben und Schmerzen, Freude und Trauer empfinden können und nicht leiden wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Julia Kockel und Oliver Hahn. Ihr Buch „Tierethik – Der Comic zur Debatte“ erschien letztes Jahr im Finkverlag.
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