19.03. Tag des Geflügels

„Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn,

ich hätt‘ nicht viel zu tun,

ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei.“

Die Zeilen dieses bekannten Liedes stammen aus dem Jahre 1936. Die industrielle Tierhaltung war damals noch am Beginn. In der heutigen Zeit, wo die industrielle Tierhaltung es ermöglicht, Fleisch, Wurst, Milch und Eier für die breite Bevölkerung so billig wie noch nie zu verkaufen, kann es wohl kein schlimmeres Schicksal geben, als ein Huhn zu sein. Man muss dafür nicht in die riesigen Mastanlagen der PhW-Gruppe (besser bekannt durch die Marke Wiesenhof) oder von Tyson Food schauen, wo mehrere zehntausend Tiere auf wenigen Quadratmetern ihr Dasein fristen müssen. Auch die Schweiz hat die Geflügelproduktion rationalisiert und mit gesetzlichen Vorgaben angepasst. Unlängst veröffentlichte Tier im Fokus ein Video über die Zustände in der Hühnerhaltung.

Die Schweiz rühmt sich oft damit, besonders hohe Tierschutzauflagen etabliert zu haben. An diesem Argument ist zweierlei falsch. Zum einen bedeutet “besser” zu sein als andere nicht “gut” zu sein, und zum zweiten sind die Standards der Geflügelproduktion so schlimm geworden, dass sie sich einfach nicht mehr verkaufen lassen.

Man erfindet also Label, die Tieren wenige Quadratzentimeter mehr Platz geben, und verkauft das dann als „Tierwohl“ – und die Verbraucher und Verbraucherinnen kaufen es mit bestem Gewissen, ohne überhaupt zu hinterfragen, ob die wenigen Verbesserungen wirklich dem Tier”wohl” dienen oder gar zu hinterfragen, wie sich die Nutzung und Tötung von Tieren mit deren „Wohl“ vertragen kann.

 

Die globale (und auch nationale) Geflügelproduktion macht mit zwei Dingen Schluss: Zum einen mit der ländlichen Idylle, bei der ein Huhn auf dem Bauernhof über Äcker und Wiesen läuft. Stattdessen ist das System der Tötung von Geflügel durch und durch industrialisiert und mechanisiert. Angefangen von der Züchtung des Geflügels (die Tiere werden so gezüchtet, dass sie extra viel Brustfleisch ansetzen, was dazu führt, dass manche von ihnen unter ihrem eigenen Körpergewicht zusammenbrechen), über die Versorgung mit Kraftfutter bis hin zur maschinellen Tötung der Tiere, die im Sinne des „Tierschutzgesetzes“ vorher mit Gas oder durch Elektroschocks betäubt werden. In der Haltung selbst dürfen z.B. 13 Hühner auf einem Quadratmeter gehalten werden.

Zum anderen wird deutlich, wie wenig Individuen heute noch zählen – besonders tierliche Individuen, die nur als Ressourcen und ökonomische Einheiten betrachtet werden. Fische werden nicht mal mehr in Individuen, sondern in Tonnen angegeben. Von den über 60 Milliarden jährlich geschlachteten Landtieren ist der überwiegende Teil Geflügel. Über 50 Milliarden Hühner, Puten, Enten, Truthähne usw. werden jährlich getötet. Und das betrifft „nur“ die Fleischerzeugung.

Dazu kommen Milliarden Eier, die jährlich produziert werden. Diese können nur von Hennen produziert werden, so dass die männlichen Küken, die auch nicht als Fleisch verkauft werden können (da sie eine andere Zuchtrasse bilden), getötet werden müssen. Als Fortschritt wird es angesehen, dass es neuerdings „Zweinutzungshühner“ gibt, also Hühnerrassen, die sowohl dafür da sind, Eier zu liefern als auch Fleisch. Auch hier wird vermittelt, etwas Gutes zu tun, wenn man solche Produkte kauft. Zugleich muss man fragen, ob es wirklich besser ist, wenn ein männliches Küken nicht sofort nach der Geburt getötet wird, sondern erst drei Monate später.

Weiterhin ist die Produktion von Eiern mit erheblichem Stress für die Tiere verbunden. In der freien Wildbahn legen Hennen alle 21 Tage ein Ei (entsprechend dem Zyklus der (Nicht-)Befruchtung des Eies, vergleichbar mit der menschlichen Menstruation). Sie brüten nur dann ein Neues, wenn ihnen das Ei weggenommen wird. In der heutigen Hühnerhaltung sind die Tiere aber darauf gezüchtet, so viele Eier wie möglich zu züchten, und selbstverständlich wird ihnen ihr Ei fast täglich weggenommen. In der normalen Eierproduktion haben die Hennen 14 Quadratzentimeter auf einer Stange Platz.

 

Das Ei charakterisierte früher das Leben, es stand für Werden und Entstehen. In der heutigen Geflügelproduktion sehen wir auch ein ständiges Werden und Entstehen – mit dem Zusatz, dass Milliarden Individuen jährlich ihre Körper und ihr Leben dafür opfern müssen.

Bitte folge und like uns:
Benutzer Login.

Magst du diesen Blog? Hilf mit, ihn zu spreaden :)

  • Facebook
    Facebook
  • Youtube2
  • Instagram182