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21.04. – Tag der Schweizer Milch: Die Milch macht’s (nicht)

Auch dieses Jahr findet wieder der „Tag der Schweizer Milch“ statt. Auf der Seite von Swissmilk steht dazu:

„Jährlich feiert Swissmilk schweizweit mit über 60’000 Besucherinnen und Besuchern den Tag der Schweizer Milch. Milchproduzenten, Jungzüchter und weitere Partner schenken kostenlos Milch aus und suchen das Gespräch mit den Konsumenten.“

Zweierlei ist an dieser Selbstbeschreibung interessant. Zum einen wird gerade VeganerInnen oft vorgeworfen, zu „missionieren“ und „Propaganda“ zu verbreiten. Handelt es sich allerdings um Werbung für Milch, so wird daraus einfach „das Gespräch mit den Konsumenten“ – garniert mit kostenloser Milch. Merke also: Wenn VeganerInnen über die Zustände in der Intensivtierhaltung berichten und sich für Tiere einsetzen, missionieren sie. Verteilt Swissmilk kostenlose Milch und entsprechendes Werbematerial, so wird nur das Gespräch gesucht.

Zum anderen weckt der Begriff „Milchproduzenten“ Neugier. Wer produziert die Milch denn? Die Milch wird nicht hergestellt von Menschen, sondern von Kühen. Die eigentliche Arbeit leisten also diejenigen, die in der tiernutzenden Landwirtschaft nur Produktionsmittel und keine eigenständigen Individuen sind. Es überrascht dann auch nicht, dass es um diese „Produktionsmittel“ alles andere als gut bestellt ist.

Wir erfahren:

“Das Ziel für milchbetonte Kühe ist eine standortgerechte Milchlebensleistung von 30`000 – 50’000 kg bei mindestens 6 – 8 Laktationen mit  4500 – 6000 kg Milch pro Jahr.”
Offener lässt sich nicht ausdrücken, dass die Kuh nur ein Produktionsmittel ist und ihre Gesundheit nur insofern zählt, als die Milchleistung dadurch nicht signifikant beeinträchtigt wird. Da es sich um eine Plattform für Biobauern und -bäuerinnen handelt, kann davon ausgegangen werden, dass die Zustände in der konventionellen Haltung nicht besser sind.

Und in der Tat: Rentabel sind Kühe nur, wenn sie ständig Milch geben. Das ist nur möglich, indem die Kühe jährlich schwanger sind. Die Befruchtung selbst wird erzwungen. Da Milch eine Geburt voraussetzt, werden Kälber geboren. Weibliche Kälber erleiden das gleiche Schicksal wie ihre Mütter und landen in der Milchindustrie. Männliche Kälber werden für Fleisch geschlachtet. Die Kälber werden allerdings nicht ihren Müttern überlassen – sie werden in sogenannten “Kälberiglus” platziert. Was auf Fotos nach einer besonders tollen Tierhaltung aussehen soll, ist nichts anderes als zynisch: Das Kalb wird seiner Mutter entrissen und auf wenigen Quadratmetern eingesperrt. So soll verhindert werden, dass eine Mutter-Kind-Beziehung entsteht.

Kühe, die nicht mehr “rentabel” sind, werden geschlachtet. Aber auch während ihres Lebens ergeht es den Kühen nicht gut: Sie werden gezwungen, Milch zu geben, und das auf sehr engem Raum. Man sollte sich hier nicht von Programmen wie RAUS oder BTS vom Wesentlichen ablenken lassen: Die Kühe werden eingesperrt, genutzt und getötet, wenn ihre Milchleistung des ökonomischen Bedürfnissen nicht mehr entspricht.

Im Angesicht solcher Zustände bedarf es natürlich einer guten Strategie, die Milch an den Mann und die Frau zu bringen. Hilfreich dafür ist Werbung. Nicht nur wie am Tag der Schweizer Milch, sondern mit ganzjährigen Kampagnen in allen relevanten Medien. Eine gute Marktentwicklung ist ebenfalls von Vorteil. Und gut im Sinne des Marktes heisst vor allen Dingen: Weniger, aber dafür grössere Betriebe. Gab es 1990 etwas mehr als 50‘000 Milchproduzenten, so waren es 2010 noch 26‘097. Die Zahl der Milchkühe sank ebenfalls von knapp 800‘000 im Jahr 1990 auf 566‘047 im Jahr 2010. Gleichzeitig ist die Vermarktung von Milch gestiegen – von 3.05 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 3.44 Millionen Tonnen im Jahr 2010. Wie kann das sein? Die Antwort ist einfach: Es gibt weniger Kühe, diese „produzieren“ aber immer mehr Milch. Produzierte eine Kuh 1990 noch 3980 Liter im Jahr, so waren es im Jahr 2010 5859 Liter (betrachtet man den Verlauf von 1950 an, so zeigt sich ein extremer Anstieg der Milchleistung einer Kuh zwischen 2000 und 2010). Es ist offensichtlich, dass dies mit dem proklamierten Tierwohl vollkommen unvereinbar ist.*

“Aber Milch ist gesund!”, wird oft eingewendet. Mal davon abgesehen, dass die Milchproduktion für die Kühe und Kälber, die im Zuge der Milchproduktion genutzt und getötet werden, alles andere als gesund ist, ist es überflüssig, sich auf eine Diskussion über die Gesundheitsaspekte von Milchprodukten einzulassen. Die Frage ist, ob die Nährstoffe, die in Milch vorhanden sind, nicht auch in pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden sind und sie somit in der Ernährung einfach ersetzt werden können.

Die SGE schreibt:

„Milch und Milchprodukte sind reich an hochwertigem Eiweiss und Calcium. Zudem sind sie gute Quellen für verschiedene B-Vitamine wie z.B. Riboflavin (B2) oder Cobalamin (B12).“

Eiweiss findet sich in ausreichender Menge in Hülsenfrüchten (z.B. Soja, Linsen und Erbsen) und in Nüssen, aber auch in Seitan oder Sonnenblumenkernen. Kalzium findet sich in (dunkel)grünem Blattgemüse (z.B. Brokkoli oder Grünkohl), Sojaprodukten oder auch in Sesamsamen oder Mandeln. Riboflavin nimmt man durch den Verzehr von Pilze, Mandeln, Mandelmuss, Tempeh, Spinat und Hefeflocken auf. B12 ist in der Tat der einzige Stoff, den eine vegane Ernährung nicht (ausreichend) bieten kann.

Dabei stellen sich allerdings zwei Fragen. Zum einen, ob ein erhöhter Milchkonsum (oder Fleischkonsum), der nötig ist, um genügend B12 aufzunehmen, der Gesundheit zuträglich ist. Diese Frage soll an dieser Stelle offenbleiben. Zum anderen aber stellt sich die Frage nach der Natürlichkeit. Ist es wirklich “unnatürlich”, eine Tablette für B12 zu nehmen? An der ganzen Milchproduktion ist schon nichts mehr Natürliches. Die Kühe sind auf Hochleistung gezüchtet, ihre Milch wird nicht von den Kälbern (wie es die Natur vorgesehen hat) getrunken, sondern von einer anderen Spezies. Die Milch wird auch nicht roh getrunken, sondern durchläuft einen aufwändigen Prozess der Homogenisierung und Erhitzung. Wer also mit „der“ Natur argumentiert, begibt sich auf sehr glattes Eis.

Es ist sowieso so eine Sache mit der Natur. Die halbe Schweiz ist gerührt von der Hornkuhinitiative. Versteckt unter dem Deckmantel der Würde der Kuh zeigt sich hier der Wunsch nach Natur in ihrer “ursprünglichen” Form, nach landwirtschaftlicher Idylle, nach Wiesen- und Waldromantik. Nur ist die Geschichte der Domestizierung immer schon ein Akt der Unterwerfung und Unterdrückung von empfindungsfähigen Lebewesen gewesen. Wo Kühe, Schweine, Hühner, Ziegen und Schafe gehalten und getötet werden, hat man den Naturzustand schon verlassen. Wenn Armin Kapaul den Kühen also ihre Würde zurückgeben möchte, dann irrt er. In der tiernutzenden Landwirtschaft kann es keine Würde geben.

Du möchtest nicht nur Artikel lesen, sondern selbst aktiv werden? Dann beteilige dich heute an unserer Outreachaktion in Basel: https://www.facebook.com/events/1634565916660802/

*Es soll nur erwähnt werden, dass Direktzahlungen und Subventionen an die tiernutzende Landwirtschaft erfolgen, die den Markt verzerren. Von einem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage kann also nicht die Rede sein.

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19.03. Tag des Geflügels

„Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn,

ich hätt‘ nicht viel zu tun,

ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei.“

Die Zeilen dieses bekannten Liedes stammen aus dem Jahre 1936. Die industrielle Tierhaltung war damals noch am Beginn. In der heutigen Zeit, wo die industrielle Tierhaltung es ermöglicht, Fleisch, Wurst, Milch und Eier für die breite Bevölkerung so billig wie noch nie zu verkaufen, kann es wohl kein schlimmeres Schicksal geben, als ein Huhn zu sein. Man muss dafür nicht in die riesigen Mastanlagen der PhW-Gruppe (besser bekannt durch die Marke Wiesenhof) oder von Tyson Food schauen, wo mehrere zehntausend Tiere auf wenigen Quadratmetern ihr Dasein fristen müssen. Auch die Schweiz hat die Geflügelproduktion rationalisiert und mit gesetzlichen Vorgaben angepasst. Unlängst veröffentlichte Tier im Fokus ein Video über die Zustände in der Hühnerhaltung.

Die Schweiz rühmt sich oft damit, besonders hohe Tierschutzauflagen etabliert zu haben. An diesem Argument ist zweierlei falsch. Zum einen bedeutet “besser” zu sein als andere nicht “gut” zu sein, und zum zweiten sind die Standards der Geflügelproduktion so schlimm geworden, dass sie sich einfach nicht mehr verkaufen lassen.

Man erfindet also Label, die Tieren wenige Quadratzentimeter mehr Platz geben, und verkauft das dann als „Tierwohl“ – und die Verbraucher und Verbraucherinnen kaufen es mit bestem Gewissen, ohne überhaupt zu hinterfragen, ob die wenigen Verbesserungen wirklich dem Tier”wohl” dienen oder gar zu hinterfragen, wie sich die Nutzung und Tötung von Tieren mit deren „Wohl“ vertragen kann.

 

Die globale (und auch nationale) Geflügelproduktion macht mit zwei Dingen Schluss: Zum einen mit der ländlichen Idylle, bei der ein Huhn auf dem Bauernhof über Äcker und Wiesen läuft. Stattdessen ist das System der Tötung von Geflügel durch und durch industrialisiert und mechanisiert. Angefangen von der Züchtung des Geflügels (die Tiere werden so gezüchtet, dass sie extra viel Brustfleisch ansetzen, was dazu führt, dass manche von ihnen unter ihrem eigenen Körpergewicht zusammenbrechen), über die Versorgung mit Kraftfutter bis hin zur maschinellen Tötung der Tiere, die im Sinne des „Tierschutzgesetzes“ vorher mit Gas oder durch Elektroschocks betäubt werden. In der Haltung selbst dürfen z.B. 13 Hühner auf einem Quadratmeter gehalten werden.

Zum anderen wird deutlich, wie wenig Individuen heute noch zählen – besonders tierliche Individuen, die nur als Ressourcen und ökonomische Einheiten betrachtet werden. Fische werden nicht mal mehr in Individuen, sondern in Tonnen angegeben. Von den über 60 Milliarden jährlich geschlachteten Landtieren ist der überwiegende Teil Geflügel. Über 50 Milliarden Hühner, Puten, Enten, Truthähne usw. werden jährlich getötet. Und das betrifft „nur“ die Fleischerzeugung.

Dazu kommen Milliarden Eier, die jährlich produziert werden. Diese können nur von Hennen produziert werden, so dass die männlichen Küken, die auch nicht als Fleisch verkauft werden können (da sie eine andere Zuchtrasse bilden), getötet werden müssen. Als Fortschritt wird es angesehen, dass es neuerdings „Zweinutzungshühner“ gibt, also Hühnerrassen, die sowohl dafür da sind, Eier zu liefern als auch Fleisch. Auch hier wird vermittelt, etwas Gutes zu tun, wenn man solche Produkte kauft. Zugleich muss man fragen, ob es wirklich besser ist, wenn ein männliches Küken nicht sofort nach der Geburt getötet wird, sondern erst drei Monate später.

Weiterhin ist die Produktion von Eiern mit erheblichem Stress für die Tiere verbunden. In der freien Wildbahn legen Hennen alle 21 Tage ein Ei (entsprechend dem Zyklus der (Nicht-)Befruchtung des Eies, vergleichbar mit der menschlichen Menstruation). Sie brüten nur dann ein Neues, wenn ihnen das Ei weggenommen wird. In der heutigen Hühnerhaltung sind die Tiere aber darauf gezüchtet, so viele Eier wie möglich zu züchten, und selbstverständlich wird ihnen ihr Ei fast täglich weggenommen. In der normalen Eierproduktion haben die Hennen 14 Quadratzentimeter auf einer Stange Platz.

 

Das Ei charakterisierte früher das Leben, es stand für Werden und Entstehen. In der heutigen Geflügelproduktion sehen wir auch ein ständiges Werden und Entstehen – mit dem Zusatz, dass Milliarden Individuen jährlich ihre Körper und ihr Leben dafür opfern müssen.

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12. Februar: Darwin-Tag.

Darwin hat uns gelehrt, dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern eine Art unter vielen ist. Menschen (homo sapiens) und andere Tiere haben eine gemeinsame Stammesgeschichte. Die Trennung zwischen Mensch und Tier ist das Ergebnis religiösen Denkens, das biologisch nicht haltbar ist

Sigmund Freud sah drei Kränkungen des Menschen:

  1. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums – erkannt durch Kopernikus.
  2. Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus, sondern beeinflusst durch sein Unterbewusstsein – erkannt durch Freud selbst.
  3. Und der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung – erkannt durch Charles Darwin.

 

Dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist – was in der Biologie konsens ist – wird täglich millionenfach in den Schlachthäusern dieser Welt und den Köpfen der Menschen ignoriert. Da wird die Spitze der (angeblichen) Nahrungskette beschworen und sich gegenseitig versichert, dass nur der Mensch denken/sprechen/arbeiten könne oder Kultur habe. Und dieses Kriterium ist dann ausreichend, um Millionen Tiere täglich in den Tod zu schicken. Mal davon abgesehen, dass aus einem Unterschied zwischen Menschen und Tieren nicht folgen würde, dass Tiere nach Belieben gehalten und getötet werden dürfen, sollte man nicht auf vermeintliche Unterschiede schauen, sondern auf Gemeinsamkeiten.

Darwin wusste das: “Tiere sind unsere Mitbrüder in Schmerz, Krankheit, Tod, Leiden und Hunger. Sie können teilhaben, denn aufgrund unserer Abstammung von einem gemeinsamen Urahn sind wir alle miteinander verbunden”. Und was Darwin nur andeuten konnte, ist bewiesen: Weder die Arbeit, noch die Sprache, das Denken oder die Kultur kommt nur den Menschen zu. Es gibt kein Kriterium, das Menschen klar von Tieren trennt. Biologisch sind Menschen Trockennasenaffen. Und selbst wenn es dieses Kriterium geben würde, würde das nicht bedeuten, dass es ethisch richtig ist, Tiere zu töten, weil sie gut schmecken. Denn aus dem Sein folgt kein Sollen.

Der Versuch, Menschen klar von Tieren zu trennen, ist in seinem Kern religiös. Denn die herrschenden Religionen haben immer versucht, eine Sonderstellung des Menschen zu begründen. Die Religionen freilich taten dies, um sich ihrer selbst zu versichern. Heute wird der Unterschied zwischen Menschen und Tieren beschworen, um die milliardenfache Tötung von Schweinen, Rindern, Hühnern, Ziegen, Lämmern, Fischen usw. zu rechtfertigen. Aber auch, um generell den Herrschaftsanspruch von Menschen über Tiere zu zementieren. Sei es für Tierversuche, die Jagd, die Kleidungsindustrie oder Zirkusse und Zoos.

Gerade Basel sollte also nicht mit Stolz auf den ortsansässigen Zoo (und das neue Ozeanium) schauen, sondern mit Beschämen, dass so viele empfindungsfähige Lebewesen eingesperrt werden. In Zoos lernen Menschen auch nicht die Natur oder fremde Arten kennen, sondern sie lernen, dass es okay ist, Tiere einzusperren, um sie begaffen zu können. Übrigens eine Praxis, die auch mit Menschen gemacht wurde im Rahmen sogenannter “Völkerschauen” (und das auch in Basel).

Es besteht also eine gewisse Ironie darin, dass Veganer*innen vorgeworfen wird, eine “Religion” zu haben, während doch genau diese Trennung zwischen Menschen und Tieren immer einen religiösen Beigeschmack hat. Darwin wusste das. So, wie es auch heutige Biolog*innen wissen, die seine wissenschaftlichen Entdeckungen weiterführen wollen:
Wenn wir alle Tiere in Betracht ziehen, die jemals gelebt haben, und nicht nur die rezenten Tiere, werden Wörter wie Mensch und Vogel an ihren Grenzen geradeso verschwommen und unklar wie die Wörter gross und dick. […] Nicht nur die zoologische Klassifikation wird durch die bequeme Tatsache, dass die meisten Zwischenformen heutzutage ausgestorben sind, vor unangenehmer Zweideutigkeit gerettet. Das gleiche gilt auch für Ethik und Recht der Menschen. Unsere rechtlichen und moralischen Systeme sind zutiefst artgebunden”(Richard Dawkins).


Was wir von Darwin lernen können, ist, dass Arten nicht einfach gegeben sind, sondern entstehen und vergehen, und dass auch “der” Mensch kein biologischer Fakt ist. Und was noch viel wichtiger ist: Darwin zeigt uns, dass Schweine, Rinder, Hühner, Menschen, Biber und Pferde eine gemeinsame Entwicklungsgeschichte haben und Schmerzen, Freude und Trauer empfinden können und nicht leiden wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Julia Kockel und Oliver Hahn. Ihr Buch „Tierethik – Der Comic zur Debatte“ erschien letztes Jahr im Finkverlag.
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1. Januar: Weltfriedenstag

Weltfrieden – wer von uns wünscht sich das nicht? Und doch ist der Wunsch nach Frieden meistens der Wunsch nach Frieden zwischen Menschen. Dabei wird vernachlässigt, dass gewisse Elemente des Krieges – Anwendung hochentwickelter Technologie, Unterwerfung des Gegners/der Gegnerin, ökonomische Bereicherung – auch unser Verhältnis zu nicht menschlichen Tieren charakterisieren. Es ist zwar verfehlt, von einem Krieg gegen Tiere zu sprechen. Aber es ist auch verfehlt, die Gewalt, die Tiere heute erfahren, nicht mit dem Ziel des Friedens zu verbinden. Kein Frieden im kriegerischen Sinne, sondern ein Frieden im Sinne eines individuellen Zustandes, bei dem einem empfindungsfähigen Lebewesen keine Gewalt zugefügt wird, es um seiner selbst willen geschätzt und es nicht als blosse Ware betrachtet wird.

Dieser Frieden ist noch weit weg. Die Unterwerfung der Tiere in unserer Gesellschaft ist nicht nur total, sondern sie ist das Fundament, auf dem unser Wohlstand beruht. Es gibt kaum einen Bereich, in dem Tiere nicht unterdrückt werden. Die Hauptnutzung von Tieren besteht in ihrer Rolle als Nahrungsmittel. Ihre Körper(teile) werden zu Schnitzeln, Filets, Steaks, Burgern und Klöpfer verarbeitet. Ihre Ausscheidungen essen wir entweder direkt (Eier und Milch) oder verarbeitet (Käse, Raclette, Fondue und Joghurt). Ihre Haut dient in Form von Leder, Pelz und Wolle dazu, uns zu wärmen oder Kleidung chicer aussehen zu lassen.

Nahrung und Kleidung sind nur der auffälligste Ausdruck der Nutzung und Unterwerfung von Tieren. Ihre Unterdrückung findet sich darüberhinaus in Laboren, wo Ratten, Mäuse und Kaninchen für Versuche benutzt werden. Sie findet sich im Wald, wo Rehe, Hirsche und Wildschweine abgeschossen werden. Sie findet sich in der Unterhaltungsbranche, wo Elefanten und Löwen in Zirkussen Kunststücke vollführen und Schimpansen, Löwen und Giraffen in Zoos schon den Kleinsten vermitteln, dass Tiere weniger wert sind. Sie findet sich auch bei uns zu Hause, wo Hunde in Zwingern und Wellensittiche in viel zu kleinen Käfigen gehalten werden.

Man rechtfertigt all das mit “Notwendigkeit”. Man müsse Fleisch essen, um überleben zu können. Man müsse Tierversuche durchführen, um Menschenleben zu retten. Man müsse Tiere abschiessen, um ihren Bestand zu regulieren. Doch es ist nichts (mehr) notwendig an dem, was Tieren heute widerfährt.

Die Nutzung von Tieren ist vor allen Dingen eine gelebte Praxis, die keiner Rechtfertigung mehr Bedarf. Das heisst: Wir nutzen Tiere, weil wir es können. Von klein auf werden wir daran gewöhnt, Tiere zu essen und zu nutzen. Erst später erfolgt eine Rechtfertigung durch Verweise auf die angebliche Notwendigkeit, Fleisch essen zu müssen, auf die vermeintliche Natürlichkeit der Tiernutzung oder auf deren Normalität. All diese Rechtfertigungen lassen sich natürlich bequem tätigen in einer Welt, in der die Tötung der Tiere nicht sichtbar ist und von anderen erledigt wird.

Leo Tolstoi wird die Aussage zugeschrieben: “Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben”. In Zeiten von Trump, Putin und Erdogan und eines erstarkenden Weltmachtstrebens, Nationalismus und Patriotismus ist diese Aussage richtiger denn je. Über 60 Milliarden Tiere werden jährlich geschlachtet – “nur”, um sie zu essen. Wer im Angesicht dieser Zahlen und der totalen Unterdrückung der Tiere in den meisten Ländern dieser Welt davon spricht, dass man sich um Wichtigeres kümmern oder erst mal Menschen befreien sollte, ist nicht nur zynisch, sondern verkennt den Zusammenhang der Gewalt gegen Menschen und der Gewalt gegen Tiere.

Denn nicht nur Milliarden Tiere leiden und sterben für unsere Lust an tierlichen Produkten – sondern Millionen Menschen müssen unter widrigsten Bedingungen in Schlachthäusern “arbeiten”, Millionen Menschen verlieren für Soja als Futtermittel ihre Ländereien, und der Absatz von Schlachtabfällen zerstört lokale Märkte in Westafrika. Durch die Entstehung multiresistenter Keime, die Forcierung des Klimawandels und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten lassen wir nicht nur Milliarden Tiere und hunderte Millionen Menschen leiden, sondern zerstören uns selbst systematisch. Es wird keinen Frieden geben für Menschen, solange es keinen Frieden für Tiere gibt.1

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